Ein Armaturenbrett war mal ein Brett mit Armaturen. Bis in die 1930er Jahre war das der Standard. Ein Holzbrett. Löcher rein. Armaturen befestigt. Das Grundprinzip gilt bis heute. Im Laufe der Zeit wurden die Formen komplexer. Die Instrumente wurden besser integriert. Die Zahl der Funktionen nahm zu. Kamen unsere Altvorderen mit 2 bis 3 Zeigerinstrumenten aus, wuchs die Zahl der Knöpfe, Lämpchen und Zeiger mit jeder Fahrzeuggeneration.

Mitte der 90er Jahre kam die erste Navi ins Auto. In den folgenden Jahren wurden Bildschirm und zentrales Stellteil zum Infotainment, zur Kommandozentrale des Fahrzeugs. Erst für Drittaufgaben wie Navigation, Mediennutzung oder Telefon. Dann für Zweitfunktionen wie Klimasteuerung oder Scheibenwischerkonfiguration. Parallel dazu wuchs die Zahl der Knöpfe und Schalter. Bei einigen Fahrzeugen ergab sich damit ein veritabler Stellteilfriedhof. Unübersichtlich. Unschön. Ablenkend.

In letzter Zeit setzt ein Umdenken ein. Touchscreens mit großer Fläche integrieren zunehmend Funktionen. Peugeot war einer der Pioniere. Volvo hat nachgezogen. Konsequent ist Tesla den Weg zu Ende gegangen. Die gesamte Mittelkonsole ist ein einziger großer Touchscreen. Fahrzeugfunktionen sind genauso integriert wie Medien, Navigation oder ein Internetbrowser. Einmal ordentlich aufgeräumt. Ordnungspolitischer Großputz.

Das fehlende haptische Feedback macht die Interaktion mit den System schwer. Ein systembedingter Nachteil aller Touchscreens. Bei Handys oder Tablets ist das weniger ein Problem. Im Auto kann die benötigte visuelle Rückmeldung zu erheblicher Ablenkung des Fahrers führen. Der Gestaltung des HMI kommt essentielle Bedeutung zu. Grafikdesign. Visuelle Struktur. Die Sortierung des Systems. Menüstrukturen. Benennungen. Icons.

Ästhetisch fühlen sich die riesigen flachen Bildschirme an wie ein Ziegelstein. Flach. Rechteckig. Kantig. Dominant. Schwer. Unschön. Gebogene Displays könnten Abhilfe schaffen. Oder ein Grafikdesign, dass sich weniger an den gängigen Handystandards orientiert. Auf der anderen Seite sind wir mit den flachen Objekten im Auto wieder ein Stück weit da, wo wir vor 100 Jahren waren. Zurück zu den Wurzeln.

Was bleibt ist die Suche nach dem Sweet Spot. Die optimale Anordnung von Funktionen. Der Kompromiss zwischen Vielfalt und Fokussierung. Die Balance zwischen Breite und Tiefe. Die Bedürfnisse des Fahrers und die Bedürfnisse derer, die nicht im Fahrzeug sitzen. Immer Online oder immer mit den Augen auf der Straße. Die Ästhetik eines perfekt gestalteten Innenraums gegen die Flexibilität des visuellen Ziegelsteins.

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