Beim Schreiben über Kultur  tritt man immer in die Klischeefalle. Stereotypen verführen zur Vereinfachung und zur Verallgemeinerung. Hier sollen sie nur dem Verständnis dienen. Bei der Beschäftigung mit Kultur wird nie die Realität beschrieben. Sondern immer nur ein generisches Konstrukt. Wenn über „die Amerikaner“ oder „die Asiaten“ geschrieben wird, kann jeder aus eigener Erfahrung ein Gegenbeispiel nennen.

In frühen Definitionen wird Kultur als das komplexe Ganze bezeichnet, was unter anderem Wissen, Glauben, moralische Werte, Künste, Gesetze und Gebräuche umfasst. Hier geht es um die Hochkultur aus Tanz, Oper und Wissenschaft. Später wird Kultur eher als identitätsstiftend für Gruppen und Gruppenprozesse betrachtet. Heute wird Kultur als die kollektive mentale Programmierung von Menschen definiert, die zu einer Gruppe gehören. Kultur gilt als erlernt und nicht als genetisch determiniert.

Kern aller Definitionen von Kultur ist eine Gemeinsamkeit an Werten, Handlungen, Ansichten, die eine Gruppe von einer anderen unterscheidet. Ohne eine andere Gruppe mit einer anderen Kultur ist eine eigene Kultur nicht denkbar. Nicht wahrnehmbar. Sie wird immer im Unterschied gedacht und gefühlt. Reisen bildet, auch weil in anderen Ländern Selbstverständlichkeiten des eigenen Lebens in Frage gestellt werden. Und damit der eigene kulturelle Anker.

Kultur wird stark durch geografische Unterschiede determiniert. Es kann aber auch innerhalb einer Region kulturelle Unterschiede geben, z.B. durch Vorlieben oder Bildung. Rockerkultur. Fankultur. Arbeiterkultur.

Sprache prägt Kultur. Kultur prägt Sprache. Kulturen nutzen Sprachen und Symbole spezifisch. Für die schriftliche Niederlegung von Worten werden kulturabhängig unterschiedliche Zeichensätze verwendet. Die meisten europäischen Sprachen nutzen den lateinischen Zeichensatz, wobei je nach Sprache Sonderzeichen hinzukommen können.

Innerhalb von Europa verwenden einige Sprachen kyrillische Buchstaben, Griechisch und Georgisch haben eigene Zeichensätze. Im asiatischen Raum sind weitere in Benutzung, die im Gegensatz zu europäischen Buchstaben komplexere Inhalte, wie Silben haben. Erschwerend kommt hinzu, dass in China ca. 20.000 Zeichen genutzt werden.

Ein bei der Gestaltung von HMIs immer wieder auftretendes Problem sind die Größen der Felder, die für Beschriftungen vorzusehen sind. So sind finnische, deutsche oder französische Begriffe oft sehr lang, englische dagegen eher kurz. Koreanisch oder Chinesisch benötigt noch mal deutlich weniger Platz.

Noch augenfälliger wird der Einfluss von Sprache und Schrift auf HMIs, wenn man sogenannte BiDi (Bi-Directional) Sprachen wie Arabisch oder Hebräisch betrachtet. In diesen Sprachen wird von rechts nach links geschrieben und gelesen. Das hat zur Folge, dass HMIs als Ganzes oder partiell gespiegelt werden müssen, weil Lesegewohnheiten Blickpfade steuern. 

Die Unterschiede bei Einheiten wie Meilen oder Kilometer sind offensichtlich. Fallen lauern bei der Dezimaldarstellung. In den USA sind 8.512 mls an einem Tag zu laufen, 8,512 mls zu fliegen. In Deutschland ist das genau anders herum. Die Zeichenfolge 10/11/12 bezeichnet in Deutschland den 10. November 2012, in den USA den 11. Oktober 2012 und in Asien den 12. November 2010.

Bei der Gestaltung von HMIs spielen Farben eine entscheidende Rolle. Neben der rein ästhetischen Wirkung werden sie zum Träger von Informationen. Grün kennzeichnet den Zustand „gut“, „ok“ oder „unkritisch“, rot bedeutet das Gegenteil. Auch weitergehende Konnotationen zwischen Farben und Bedeutungen sind allgemein bekannt. Weiß für Unschuld oder Reinheit und schwarz für Trauer und Eleganz. Pink für mädchenhaft. Blau für männlich. Diese Zuordnungen sind kulturell determiniert und nicht in allen Kulturkreisen identisch.

Die unterschiedliche Bedeutung von Farben in verschiedenen Kulturen hat auf zwei Ebenen Konsequenzen für die Gestaltung von HMIs. Unterschiedliche Farben tragen unterschiedliche Bedeutungen. So ist rot in China nicht unbedingt mit Gefahr verbunden, es kann hier zu Missinterpretationen bei der Anzeige kritischer Zustände kommen. Der Einsatz von Farben kann zu Emotionen führen, die nicht in den entsprechenden Kontext passen. So werden dunkle, von schwarz dominierte HMIs in Deutschland als elegant und edel wahrgenommen, in Asien dagegen als trist. Im Gegenzug gelten die farbenfrohen HMIs vieler asiatischer Websites oder Infotainment Systeme in Deutschland als kindisch und unangemessen.

Auch bei der Verwendung von Symbolen (Icons) in HMIs kann es zu Missverständnissen kommen. Icons sind oft vereinfachte Darstellungen realer Objekte. Die Vereinfachung von realen Gegenständen oder Gesten schafft Raum für Missinterpretationen. Und die Auswahl an Objekten als Grundlage für Icons kann unglücklich sein. So ist die Sanduhr als Symbol für Zeit oder Warten in Asien unglücklich, weil es dort nie Sanduhren gegeben hat.

Die Missachtung interkultureller Phänomene hat auch eine politische und religiöse Komponente. Spannungen zwischen Ländern können z.B. die Darstellung von Navigationskarten beeinflussen. So sollten Fahrzeuge, die nach China gehen, Taiwan als Provinz Chinas darstellen, in Taiwan dagegen als eigenständiges Land. Entsprechendes gilt für das Westjordanland und den Gazastreifen in Israel bzw. arabischen Ländern.

In arabischen Ländern sind grün und lila religiös konnotierte Farben, sie sollten bei der Gestaltung von HMIs nicht verwendet werden. Aufgrund des Alkoholverbots in vielen islamischen Ländern ist bei der Nutzung von Icons für Bars, Lokale und Restaurant auf die Darstellung alkoholischer Getränke zu verzichten. Analoges gilt für die Darstellung von menschlichen Gliedmaßen.

Weitere Details zur Verwendung von Farben, zum Thema Internationalisierung vs. Lokalisierung dann in den folgenden Blogbeiträgen!