Am 11. und 12. November 2015 fand die 14. Ausgabe der Konferenz Automobil Interieur statt. Untertitel Lebensraum und Arbeitsplatz. Zwei Tage Vorträge zu allen Aspekten des Fahrzeuginnenraums. Eine Werksführung bei Faurecia. Ein Abendessen in gemütlicher Atmosphäre. Runde Sache.

Ingo Kriebitzsch von BMW berichtete über die Plattformstrategie bei den Interieurs der Marken BMW und Mini. BMW wird hochwertig aufgestellt. Fahrerorientiert. Seriös. Innovativ. Materialien sind zentral. Das Anzeige-Bedien-Konzept im Fokus. Oder das HMI in der beyond HMI///// Nomenklatura.  Mini steht als Marke für Lifestyle. Ist extrovertiert. Spielerisch. Innovativ. Dort agiert man eher mit Farben. Formen. Oberflächen. Dazu kommen die unterschiedlichen Fertigungsstandorte. Auf der Suche nach dem gesamtunternehmerischen Optimum wurde eine gemeinsame Elektronikarchitektur entwickelt. Ein skalierbares Bordnetz für alle BMW und Mini Modelle. Das gilt für die elektronischen Komponenten. Für Stellteile und Displays. Für Tragrohre. Heizung. Instrumententafel.

Hartmut Sinkwitz von Daimler begann seinen Exkurs mit einer Definition von Luxus. Luxus ist knapp. Er bewegt sich von komplex zu simpel. Von Funktion zu Erfahrung. Emotion und Intelligenz werden als Kontrapunkte der Designphilosophie definiert. Emotion wird als sinnlich und heiß angesehen. Intelligenz als einfach, rein und kühl. Die zunehmende Urbanisierung lässt Menschen weniger Raum und weniger Zeit.  Als Antwort darauf hat Daimler die Studie F015 entworfen. Ein autonomes Fahrzeug mit einem loungeähnlichen Innenraum. Die Instrumententafel tritt zurück. Das Interieur verschafft den Nutzern eine Digital Experience. Viele Bildschirme. Viele Interaktionsmöglichkeiten. Nach Usability und User Experience kommt jetzt das User Delight. Grenzen zwischen Interieur und Exterieur verschwimmen. Nahtlos gehen Innenwelt und Außenwelt ineinander über. Daimler sieht das Fahrzeug als neues Szenario für das Zusammenleben von Mensch und Maschine.

Produkte werden technisch und qualitativ immer ähnlicher. Design macht daher den Unterschied. Der Kontext eines Produktes bestimmt seine Wahrnehmung. Mit dem Brand Formative Design Prozess entwickelt von Professor Jan Of von der Hochschule Pforzheim wurde ein Vorgehen zur Demokratisierung von Design präsentiert. Offen blieb die Frage, ob Design einen demokratischen Prozess benötigt. Ob das Verfahren Innovationen schafft oder Bekanntes zementiert.

beyond HMI///// hat die Probleme interkultureller Usability dargestellt. Ein Thema, was in diesem Blog immer wieder aufgegriffen wird.

In einem weiteren Vortrag von BMW stellte Andreas Dyla die Komfortfeatures des neuen BMW 7er dar. Dimensionen des Wohlfühlens sind Sicherheit, Sauberkeit, Behaglichkeit, Entlastung, Entspannung und Sorglosigkeit. Alle Sinne müssen angesprochen werden. Reizüberflutung führt zu  Stress. Oberklassefahrzeuge sollen Wellnessoasen werden. Das autonome Fahren wird eine Revolution im Fahrzeuginnenraum ermöglichen. Das Interieur wird zum erweiterten Lebensraum. Implizit geht BMW hier von einer zentralen Rolle des Fahrzeugbesitzes aus. Car Sharing und Mietmodelle werden die Rolle des Luxus im Fahrzeug erheblich verändern. Daher arbeten sie an diversen Zukunftsvisionen für die unterschiedlichen Szenarien und Use Cases des zukünftigen Verkehrs.

Die Highlights des zweiten Tages kommen in den nächsten Tagen in einem separaten Beitrag!